Technisches SEO
Holger Lentz
7 min.
Kontaktformular optimieren: So gewinnen Sie mehr Anfragen
Ihre Website bekommt Besucher, aber im Postfach bleibt es ruhig. In vielen lokalen Betrieben liegt die Ursache nicht am Traffic, sondern an den letzten zwanzig Sekunden vor dem Absenden. Genau dort entscheidet das Kontaktformular, ob aus Interesse eine Anfrage wird oder ob der Besucher den Tab schließt. Dieser Beitrag zeigt Ihnen Schritt für Schritt, worauf es ankommt.
Kontaktformular optimieren: Warum das Formular über Ihre Anfragen entscheidet
Ein Besucher, der Ihr Formular öffnet, hat die schwierigste Hürde bereits genommen. Er hat Sie gefunden, Ihre Leistungen gelesen und sich für den nächsten Schritt entschieden. Wenn er jetzt abbricht, verlieren Sie keinen zufälligen Klick, sondern einen fast fertigen Auftrag.
Genau deshalb lohnt sich die Arbeit am Formular mehr als fast jede andere Maßnahme auf Ihrer Seite. Sie müssen keine neuen Besucher gewinnen. Sie holen nur diejenigen ab, die ohnehin schon bei Ihnen sind. Wer sein Kontaktformular optimieren will, arbeitet damit an der Stelle mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Ergebnis.
Weniger Felder, mehr Anfragen
Die häufigste Bremse ist ein Formular, das zu viel wissen will. Jedes zusätzliche Feld kostet Aufmerksamkeit und gibt dem Besucher einen Grund, es später zu machen. Später heisst in der Praxis: nie.
Fragen Sie nur ab, was Sie für die erste Antwort wirklich brauchen. In den meisten Fällen sind das drei Angaben:
Name, damit Sie den Menschen ansprechen können
E-Mail-Adresse oder Telefonnummer, je nachdem wie Sie antworten wollen
Ein Freitextfeld für das Anliegen
Alles Weitere klären Sie im Gespräch. Adresse, gewünschter Termin, Objektgröße: das sind Fragen für den zweiten Kontakt, nicht für die erste Hürde. Wenn Sie einzelne Zusatzangaben unbedingt brauchen, machen Sie sie optional und kennzeichnen Sie das auch so.
Eine Ausnahme gibt es. Wenn Sie sehr viele unpassende Anfragen bekommen, kann ein zusätzliches Auswahlfeld sinnvoll sein, etwa nach der Art der Leistung. Das qualifiziert vor und spart Ihnen Telefonate. Nutzen Sie das aber bewusst und nicht aus Gewohnheit.
Beschriftungen, die Vertrauen schaffen
Formulare wirken oft wie ein Behördenvorgang. Das können Sie mit wenigen Worten ändern. Statt "Nachricht" schreiben Sie "Worum geht es bei Ihnen?". Statt "Absenden" schreiben Sie "Anfrage senden" oder "Kostenlose Einschätzung anfordern".
Setzen Sie außerdem eine kurze Erwartung direkt neben den Button. Ein Satz wie "Wir melden uns innerhalb von 24 Stunden, meist noch am selben Tag" nimmt die größte Unsicherheit: Was passiert eigentlich, nachdem ich klicke? Wer wissen will, wie Sie diesen Bereich insgesamt aufbauen, findet in unserem Beitrag zur perfekten Kontaktseite die passende Struktur drumherum.
Datenschutz richtig lösen
Die Checkbox zur Datenschutzerklärung ist notwendig, aber sie ist auch ein typischer Abbruchpunkt. Drei Dinge helfen:
Halten Sie den Text kurz und verlinken Sie die Datenschutzerklärung, statt sie zu zitieren
Setzen Sie die Checkbox nicht vorab, das ist rechtlich nicht zulässig, aber machen Sie sie gut sichtbar
Erklären Sie in einem Halbsatz, was Sie mit den Daten tun: "Ihre Angaben nutzen wir ausschließlich zur Bearbeitung Ihrer Anfrage"
Verzichten Sie auf Captchas, wenn es irgendwie geht. Sie kosten echte Anfragen und halten geübte Spammer kaum auf. Ein unsichtbares Honeypot-Feld filtert automatisierte Einträge deutlich freundlicher.
Fehlermeldungen, die weiterhelfen
Ein Formular, das nach dem Absenden nur "Fehler" anzeigt und die Eingaben löscht, verliert den Besucher sofort. Achten Sie darauf, dass Ihr Formular direkt am betroffenen Feld meldet, was fehlt, und alle übrigen Eingaben stehen lässt.
Prüfen Sie außerdem, ob die Validierung nicht zu streng ist. Telefonnummern werden auf sehr unterschiedliche Weise geschrieben. Wenn Ihr Formular Leerzeichen oder eine Vorwahl in Klammern ablehnt, verlieren Sie Anfragen ohne jeden Grund.
Mobil bedienbar, nicht nur mobil sichtbar
Der größere Teil Ihrer Besucher kommt vom Smartphone, oft unterwegs und mit einer Hand. Testen Sie Ihr Formular deshalb selbst auf dem Handy und achten Sie auf drei Punkte: ausreichend große Eingabefelder, ein Button, den man mit dem Daumen sicher trifft, und die richtige Tastatur je Feld. Ein E-Mail-Feld sollte die Tastatur mit dem At-Zeichen öffnen, ein Telefonfeld den Ziffernblock.
Ergänzen Sie auf dem Smartphone einen direkten Anruf-Button über oder unter dem Formular. Viele Kunden schreiben nicht gern und rufen lieber an. Wie Sie solche Aktionen sinnvoll platzieren, zeigen wir im Beitrag Call-to-Action optimieren.
Der unterschätzte Punkt: Kommen die Mails überhaupt an?
Ein technisch fehlerfreies Formular nützt nichts, wenn die Benachrichtigung im Spam-Ordner landet oder an eine alte Adresse geht. Das passiert häufiger, als man denkt, und fällt oft monatelang nicht auf.
Machen Sie daher regelmäßig einen einfachen Test. Senden Sie einmal im Monat eine Testanfrage über Ihr eigenes Formular und prüfen Sie, ob sie ankommt, wie schnell, und in welchem Ordner. Richten Sie zusätzlich eine automatische Bestätigungsmail an den Absender ein. Sie beruhigt den Kunden und zeigt Ihnen sofort, wenn der Versand klemmt.
Legen Sie außerdem fest, wer die Anfragen bearbeitet und bis wann. Ein optimiertes Formular bringt Ihnen wenig, wenn die Antwort drei Tage dauert. Der erste Anbieter, der zurückmeldet, gewinnt in der Regel den Auftrag.
So gehen Sie konkret vor
Nehmen Sie sich eine Stunde und arbeiten Sie diese Reihenfolge ab:
Füllen Sie Ihr eigenes Formular am Handy aus und stoppen Sie die Zeit
Streichen Sie jedes Feld, das Sie für die erste Antwort nicht brauchen
Formulieren Sie Button und Beschriftungen in Ihrer eigenen Sprache
Ergänzen Sie die Reaktionszeit direkt am Button
Prüfen Sie Zustellung und Bestätigungsmail
Danach beobachten Sie vier Wochen lang, wie viele Anfragen eingehen. Meist merken Sie den Unterschied schon nach wenigen Tagen. Weitere Hebel rund um Sichtbarkeit und Anfragen für Betriebe vor Ort finden Sie auf unserer Seite für lokale Unternehmen.
Sie sind unsicher, wo bei Ihnen die Anfragen verloren gehen? Schreiben Sie uns kurz über unser Kontaktformular. Wir schauen uns Ihre Seite an und sagen Ihnen konkret, welche zwei oder drei Änderungen bei Ihnen den größten Unterschied machen.


